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Das "saudumme Gezündel"der Pyromantiker zum Jahresende

STILKRITIK, SZ vom 31.12.2021, von Martin Zips Pyromantiker Dass sich unter Menschen, die sich als „Pyromantiker“ bezeichnen, gelegentlich auch „Pyromanen“ befinden, sollte nicht ausgeschlossen werden. Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki etwa darf schon deshalb als Pyromantiker beschrieben werden, da er so lodernde Metaphern verwendet. Etwa, wenn er bei anderen Politikern „Feuer unterm Dach“ sieht (das sieht er ziemlich oft). Gelegentlich legt er den ein oder anderen Brand auch selbst, zum Beispiel während der Diskussion um die allgemeine Impfpflicht. Nun haben sich Kubickis bayerische Parteifreunde Martin Hagen und Albert Duin von der Bild-Zeitung mit Feuerwerk ablichten lassen, welches sie auch heuer zum Jahreswechsel abfeuern möchten. Trotz Böllerverbot. Als kleines sympathisches Zeichen für die liebe Wählerschaft und die heimische Kracher-Industrie. Duin (laut einer FDP-Presseerklärung brachte er mit Kubicki am Aschermittwoch schon einmal die Stadthalle Dingolfing „zum Kochen“) erklärt neben einem Foto, das ihn mit erstaunlichen Mengen privater Restbestände zeigt: „Man nennt mich Pyromantiker.“ Allerdings, das sollten die Liberalen bitte auch berücksichtigen: Dem Menschen hat in der Geschichte meist nur jenes Feuer geholfen, das ihm die Götter auf die Erde sandten. Also etwa in einen Dornbusch. Begann aber jemand wie Prometheus oder Nero selbst zu zündeln, so war bald überall, wie man in Bayern sagt, „glodernde Lut“. Insofern würde man sich gerade zum Jahreswechsel schon mal wünschen, der eine oder andere hörte endlich auf, mit dem saudummen Gezündel.

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