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Drei Leserbriefe, die unser Anliegen so trefflich verdeutlichen.

Aktualisiert: 14. Jan.

Zeit, den schmutzigen und teuren Unfug zu beenden

Böller- und Raketenverbot? „Egal, ich will Spaß, und dieses Recht lasse ich mir nicht nehmen. Ich will sinnfrei böllern, und das nicht nur um Mitternacht, sondern wann es mir passt. Haben wir schon immer gemacht und machen wir weiter so." Kriegstraumatisierte Menschen, die unter Schussgeräuschen retraumatisiert werden? „Mir doch egal!“ Umweltbelastung durch Dreck und Krach? „Mir doch egal!“ Wild- und Haustiere, die vor Angst um ihr Leben zittern? Ein Hund von Bekannten, der am 31. Dezember tagsüber von unerlaubten Böllern aufgeschreckt durch die halbe Stadt getrieben wurde und zu Tode kam? „Mir doch egal!“ Kinder, die nicht schlafen können? „Mir doch egal!“ Ein kurzer, teurer, sinnloser Spaß und viel Leid bei anderen Lebewesen? „Mir doch egal!“ Nein, mir ist das nicht egal. Mensch, was ist nur mit Dir los? In welcher rücksichtslosen Ich-Welt leben wir gerade? Ja, wir sind alle gerade in sehr angespannten Zeiten, aber was tun wir da? Der Hype um kurzfristigen Spaß ist das Placebo einer sinnentleerten Gesellschaft. Wie hohl muss die Seele sein, wie verschlossen das Herz, wie abwesend das Gehirn, dass schneller Spaß die innere Leere überdecken soll? Blöderweise funktioniert das aber nicht. Das einzige, was uns als Mensch wirklich erfüllt und wahrhaft glücklich macht, ist tiefe Freude. Die bekomme ich durch Dinge, die mich und andere wirklich berühren. Aber dafür muss man etwas geben: Engagement und aufrichtige Zuwendung. Gerade diese Qualität scheint aber zu mühevoll. Man muss sich auf etwas einlassen, sich verpflichten, sein Herz öffnen. Das ist der Weg heraus aus einer entmenschlichten, egomanischen Mir-doch-egal-Haltung zu einem Miteinander. Und sind wir doch mal ehrlich? Jeder sehnt sich danach. Dann sollte jeder mal bei sich anfangen. Tausche leeren Spaß auf Kosten anderer gegen echte Freude.

SZ, Nadine Kagerer, München ---------------------- Ignorierte Gefahr Die Wut nach dem Bericht über einen Hund, der nach Feuerwerk auf der Autobahn überfahren wurde, kann ich sehr gut nachempfinden. Ich selbst hatte im August ein Knalltrauma durch einen Kollegen erlitten, der aus angeblichem Spaß einfach einen Böller in einer Produktionshalle geworfen hat. Ich habe davon eine Hyperakusis zurückbehalten und bekomme Panikattacken alleine schon bei lauter Musik. Silvester war daher für mich auch absolut unerträglich, da bei mir in der Nachbarschaft fast eine Stunde geböllert wurde. Ich konnte auch meine Tiere nicht wie in den vergangenen Jahren beruhigen, da ich selbst noch panischer war als die und ich nicht mehr sagen kann, ihnen werde nichts passieren. Seit dem Knalltrauma weiß ich, dass ich die Jahre zuvor unbewusst gelogen habe, wenn ich versucht habe, sie damit zu beruhigen. Diese „Tradition“ ergibt für mich überhaupt keinen Sinn und sie hat so viele negative Auswirkungen. Für die Umwelt ist sie schlecht, und ich verstehe auch nicht, woher die Leute das Geld haben, um es einfach in die Luft zu jagen. Ich weiß allerdings auch nicht, wo ich das nächste Silvester verbringen kann. Zu Hause kann ich es nicht mehr verbringen, weil zu viel geböllert wird, Ferienhaus im Nationalpark mieten geht auch nicht, weil da nur zwei Haustiere willkommen sind, ich aber einen Hund und vier Katzen habe. Mein Appell an die Mitmenschen wäre, auf das Feuerwerk zu verzichten. Es gibt so viele Tote und Verletzte dadurch. Kaum jemand scheint sich der Gefahr wirklich bewusst zu sein – nicht nur für „Duke“ (ein Ridgeback-Hund, der von einem Böller aufgeschreckt quer durch München lief und auf einer Autobahn überfahren wurde; d. Red.), sondern auch für Kinder. Das stimmt mich persönlich sehr, sehr traurig.

SZ, Johanna Elisabeth Gießel, Weimar

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Schon als der Klimawandel noch kein gängiger Begriff war, war trotzdem klar, was die Tradition Silvesterböllerei bedeutete, wenn zeitgleich Millionen Menschen hungerten. Heute, wo wir wissen, was Umweltverschmutzung und Klimawandel für uns, aber besonders für die künftigen Generationen bedeuten, sollten wir unser Handeln kritisch hinterfragen. Eine Jahrhundertelange Tradition muss nicht unbedingt für den Fortbestand der Menschheit von Nutzen sein.


Der Spiegel, Björn Uhlhorn, Laatzen

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